Als PTA im Kampf gegen Corona – Einsatz in Impfzentren

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Foto: iStock.com/FG Trade

Meinung

Ab Januar sollen bereits Risikogruppen und Pflegebeschäftigte deutschlandweit in Impfzentren gegen COVID-19 geimpft werden. Und PTA und Apotheker*innen sollen dieses Vorhaben unterstützen. Realistisch oder abwegig?

In einigen Bundesländern ist das pharmazeutische Personal für die Rekonstitution der Impfstoffe zuständig. In Baden-Württemberg beispielsweise soll das Honorar doppelt so hoch wie in einer tarifgebundenen öffentlichen Apotheke sein. Thomas Preis, Chef des Apothekerverbandes Nordrhein erklärte gegenüber der Rheinischen Post (RP): „Die Apotheken stehen bereit, bei der Corona-Impfung mitzuwirken. 100 der 4500 Apotheken in NRW werden den Impfstoff so vorbereiten können, dass er in den Impfstellen sofort verimpft werden kann.“ Aber ist diese Annahme realistisch?

Aufgrund des bundesweit bestehenden Fachkräftemangels wird eine Freistellung vom Arbeitgeber schwierig, denn in den öffentlichen Apotheken warten die Rezepturen, Prüfungen und Kunden. Natürlich ist es laut Apothekengesetz unsere Aufgabe, eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der gesamten Bevölkerung sicherzustellen – die Qualifizierung ist aufgrund der Ausbildung zu 100 Prozent gegeben. Besonders bei den Kolleg*innen, die unter Reinraumbedingungen arbeiten. Allerdings sollte dem Einsatz in den Impfzentren eine umfassende Schulung durch die verschiedenen Impfstoffhersteller vorausgehen.

Bedingungen und Gegebenheiten für die Rekonstitution

Die Rekonstitution eines Arzneimittels bedeutet, dass es unmittelbar vor der Anwendung in seine anwendungsfähige Form überführt werden muss. Das Rekonstituieren ist nicht nur ein „Auftauen“. Ein ausschlaggebender Faktor ist die Haltbarkeit bei bestimmten Temperaturen. Bei der Applikation soll der Impfstoff Raumtemperatur haben. Dementsprechend dürfen nur die Mengen vorbereitet werden, die auch wirklich verimpft werden. Die Thermo-Transportboxen, die für manche Impfstoffe konstant die Temperatur von minus 70 Grad halten, dürfen lediglich zweimal täglich geöffnet werden. Somit ist ein hohes Maß an Koordination notwendig.

Des Weiteren müssen die Impfstoffe teilweise mit isotoner Kochsalzlösung verdünnt werden und abschließend – da es sich bei allen Herstellern um Mehrdosenbehältnisse handelt – für eine rasche Applizierung in Einzeldosen portioniert werden. Vorab spielt ebenfalls die Haftung eine Rolle: Als PTA arbeitet man normalerweise unter Aufsicht des diensthabenden Apothekers.

Wer trägt die Verantwortung in den Impfzentren?

In Baden-Württemberg sind je Impfzentrum vier Personen pro Tag zur Rekonstitution des Impfstoffes vorgesehen – das heißt, je zwei PTA in zwei Schichten. Je nach Arbeitsaufkommen ist kein Vier-Augen-Prinzip möglich. Wer haftet somit für Fehler, die immer und überall passieren können?

Als PTA in Bayern konnte ich im Internet keine Informationen bezüglich des Einsatzes von pharmazeutischem Personal in Impfzentren finden. Auch telefonische Anfragen beim zuständigen Landratsamt und der Apothekerkammer brachten keine neue Erkenntnis. Erst der Apothekersprecher unseres Landkreises – Mitglied der „Koordinierungsgruppe Pandemie“ – erklärte, dass der Freistaat Bayern weder Apotheker*innen noch PTA in den Impfzentren einsetzen wolle. Jedes Bundesland regele das Vorgehen individuell. Einige haben sich bereits um die Anfragen gekümmert, andere haben Stellenanzeigen geschaltet. In einigen Fällen herrscht Unklarheit, wo die Impfzentren sein sollen und welches Personal eingesetzt wird.

Mein Fazit

Bei den aktuell ungeklärten Fragen ist es für viele PTA sicherlich eine schwierige Entscheidung, ihre Arbeitskraft in Impfzentren zur Verfügung zu stellen. Auch wenn es für unseren Beruf einen Prestigegewinn bedeutet. Ich liebe an meinem Beruf, die Abwechslung und den persönlichen, warmherzigen Kontakt zu den Kunden, der mir in einem Impfzentrum beim Rekonstituieren sicherlich sehr schnell fehlen würde.

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