Anämie: Wenn Lebensmittel zu Räubern werden

bg-image

iStock/adventtr

Bei einer Anämie befindet sich zu wenig des Spurenelementes Eisen im Blut. Dadurch kann der gesamte Eisenstoffwechsel gestört werden. Wie kannst du einem Eisenmangel entgegenwirken? Die Antwort findest du in diesem Beitrag.

Eisen ist für die Sauerstoffaufnahme, die Sauerstoffspeicherung, die Blutbildung und für viele andere biochemische Prozesse – wie das Zellwachstum und die Zelldifferenzierung – unentbehrlich. Im menschlichen Körper sind zwei bis vier Gramm Eisen enthalten, wovon ca. 60 Prozent an das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) in den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen, gebunden sind. Die restlichen 40 Prozent sind Bestandteil von Enzymen, dem Muskeleiweiß Myoglobin und den Eisenspeicherproteinen Ferritin und Hämosiderin.

Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben Männer einen täglichen Eisenbedarf von 10 Milligramm, Frauen dagegen benötigen 15 Milligramm pro Tag.

Anämie – Ursachen und Hintergründe

Ein Eisenmangel lässt sich entweder auf einen erhöhten Eisenbedarf, einen vermehrten Eisenverlust, eine verminderte Eisenaufnahme oder einen funktionellen Eisenmangel zurückführen. In Schwangerschaft und Stillzeit erhöht sich der Bedarf auf das Doppelte. Auch Sportler oder Patienten mit einer Vitamin-B12-Mangel-Anämie haben einen erhöhten Eisenbedarf. Ebenso lassen Wachstumsschübe in Kindheit und Jugend den Bedarf ansteigen. Durch Blutverluste (beispielsweise starke Menstruationsblutung, chronische oder akute Magen-Darm-Blutungen, regelmäßige Blutspenden) geht dem Körper das Eisen zusammen mit den Erythrozyten verloren.

Zu einer verminderten Eisenaufnahme im Dünndarm kann es bei bestimmten Darmerkrankungen wie Zöliakie oder Geschwüren sowie durch bestimmte Magen-Darm-Operationen, Nahrungsmittel (schwarzer Tee) oder Arzneimittel (Calcium-Präparate) kommen. Aber auch eine Mangelernährung mit eisenarmen oder resorptionshemmenden Lebensmitteln leeren die Eisenspeicher des Körpers. Bei einer funktionellen Anämie ist das Speichereisen zwar vorhanden, aber nicht bioverfügbar. Dies ist unter anderem der Fall bei Infektionen, Tumorerkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder rheumatoider Arthritis.

Symptome einer Anämie: So äußert sich ein Eisenmangel

Anfangs bemerken Patienten den sogenannten latenten Eisenmangel häufig gar nicht. Bei einer stärkeren Anämie kommen Hautjucken, Haarausfall, brüchige Nägel, trockene Haut und Brennen auf der Zunge und Mundwinkelrhagaden hinzu. Wenn ein manifester Eisenmangel besteht, bei der viele Körperfunktionen eingeschränkt werden, entstehen Symptome wie Blässe, chronische Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und psychische Labilität.

Freund und Feind von Eisen – Augen auf bei Nahrungsmitteln

Ein erhöhter Eisenbedarf kann normalerweise durch die vermehrte Zufuhr von eisenhaltigen Lebensmitteln kompensiert werden. So enthalten beispielsweise Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Kohlgemüse, rote Beeren, Brennnessel, Zimt und Petersilie besonders viel Eisen. Vitamin C und andere organische Säuren (beispielsweise Äpfelsäure, Essigsäure, Milchsäure), aber auch Fructose wirken stark resorptionsfördernd. Diese Aspekte sollten bei der Zubereitung der Lebensmittel beachtet werden.

Oxalate, Calciumsalze, Phosphate, Polyphenole und Phytinsäure hemmen hingegen die Resorption aufgrund ihrer komplexbildenden Eigenschaften. Diese Substanzen kommen hauptsächlich in bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln oder Milchprodukten vor.

Orangensaft fördert die Aufnahme von Eisen. Phytinsäuren (beispielsweise in Müsli enthalten) hingegen sind Resorptionshemmer.

Medikamentöse Behandlung

Falls keine ausreichende Eisenversorgung über die Nahrung gewährleistet werden kann oder eine manifeste Eisenmangelanämie vorliegt, können Eisenpräparate peroral eingenommen werden. In der Regel wird vom behandelnden Arzt mittels Blutuntersuchung der Hämoglobinwert (Hb-Wert) bestimmt. Da er aber erst bei einer tatsächlichen Eisenmangelanämie (bei Frauen ˂ 12g/dl, bei Männern ˂ 13g/dl) abfällt und somit die Eisenspeicher komplett leer sind, ist es sinnvoller, ebenfalls den Serum-Ferritinwert zu bestimmen. Das Speichereisen sinkt nämlich schon bei einem latenten Eisenmangel. Je früher der Mangel erkannt wird, desto einfacher ist die medikamentöse Therapie. Dazu stehen im OTC-Bereich verschiedene Präparate zur Verfügung.

Beispielsweise gibt es Ferrosanol-Präparate (UCB Pharma) in unterschiedlichen Wirkstärken als Dragees, Retardkapseln, Tropfen und auch als Kombipräparate mit Folsäure und Vitamin B12. Im Sortiment von Ferrum Hausmann (Vifor Pharma Deutschland) gibt es neben einer Lösung und Retardkapseln, auch noch alternativ einen Sirup. Die flüssigen Arzneiformen sind hauptsächlich für Kinder oder für Patienten mit Schluckbeschwerden geeignet. Eine wohlschmeckende Alternative bieten die Floradix-Präparate (Salus Pharma). Hier gibt es unterschiedliche Spezial-Tonika mit organisch gebundenem Eisen, Fruchtsäften und Arzneikräutern, sowie Tabletten- und Kapselpräparate.

Gebrauchsinformationen beachten

Die Präparate müssen nach Beipackzettel oder Anweisung des Arztes angewendet werden, da eine Überdosierung zu einer Vergiftung führen kann. Als Nebenwirkung können Magen-Darm-Beschwerden, Verstopfung, Durchfall und Übelkeit auftreten. Eine im Verlauf der Behandlung auftretende, dunkle Verfärbung des Stuhls ist in der Regel unbedenklich.

Wann reicht eine orale Therapie nicht aus?

Falls die Eisenzufuhr nach drei Monaten immer noch nicht ausreichend sein sollte, kann vom Arzt eine intravenöse Infusionstherapie (beispielsweise Ferrlecit [Sanofi]) verordnet werden. Die parenterale Zufuhr von Eisen wird in der Regel angewendet, wenn die orale Behandlung nicht oder nicht ausreichend wirksam ist oder Unverträglichkeiten und/oder bestimmten Erkrankungen vorliegen (beispielsweise bei Patient*innen mit Nierenschäden). Die Vorteile einer intravenösen Applikation sind insbesondere, dass die Eisen-Ionen nicht den Gastrointestinaltrakt überwinden müssen und die Behandlung lediglich ein bis zwei Sitzungen dauert.

Kommentare zum Artikel (138)

Nur verifizierte Nutzer können die Kommentare sehen.

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Wie schnell ist es passiert: ein aufgeschlagenes Knie, ein Schnitt am Finger, ein Kratzer im Gesicht, kleine Missgeschicke, die tagtäglich vorkommen.

Trockene Haut, quälender Juckreiz oder auch schubweise auftretende Ekzeme – Neurodermitis hat viele Facetten, in der die Krankheit auftreten kann. Was sind die Ursachen und Symptome? Was kann helfen? Wir klären auf.

Sommerzeit ist Grillzeit. Wie wäre es mit einer Alternative zu Würstchen oder dem üblichen Grillfleisch? Saftig, rosa und dabei noch gesund ist der Lachs: Er enthält nicht nur einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren.

Es gibt viele Allergien, aber wie unterscheiden sie sich voneinander? Und was ist eigentlich eine Pseudoallergie? Von Heuschnupfen bis Weizen – wir verschaffen dir einen Überblick zu den einzelnen Mechanismen.