Arzneipflanzenkunde: Die Goldrute (Solidago)
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Die Goldrute ist eine wirksame Heilpflanze bei Harnwegserkrankungen, Wunden und Entzündungen. Sie wird seit Jahrhunderten bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt und hat auch in der modernen Medizin noch ihren Platz.

Die Goldrute (Solidago) ist ein wichtiger Bestandteil vieler Blasen- und Nierentees. Das liegt an ihrer stark diuretischen Wirkung. Kombiniert wird sie in den Teemischungen mit Hauhechel, Orthosiphon, Birken- oder Bärentraubenblättern. Durch ihre speziellen Inhaltsstoffe ist die Pflanze dabei besonders wirksam.

Der lateinische Name Solidago bedeutet „fest“ oder „gesund“. Er bezieht sich vermutlich entweder auf die Heilwirkung der Pflanze oder auf deren frühere Verwendung bei Knochenbrüchen. Der leuchtend gelb blühende Korbblütler kommt ursprünglich aus Nordamerika, fühlt sich aber inzwischen auch hierzulande heimisch. Die Heilpflanze wächst in Gärten, auf Wiesen und an Wegrändern und blüht von Juli bis Oktober. Das gefällt zwar vielen Gartenbesitzern, bei Naturschützern ist die Goldrute jedoch nicht so beliebt, da die krautige bis zu einem Meter hochwachsende Pflanze heimische Arten verdrängen kann. Obwohl die als Heilpflanzen angewandten Goldrutenarten generell ungiftig sind, können sensibilisierte Menschen mit einer Kontaktallergie oder Heuschnupfen reagieren.

Medizinische Verwendung der Goldrute

Für medizinische Zwecke genutzt werden die während der Blüte gesammelten oberirdischen Stängel, Blätter und Blüten, die anschließend getrocknet werden. Die Qualität der Droge ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt. Man setzt Solidago vorwiegend bei Erkrankungen der Blase und der Niere sowie bei Harnwegsinfektionen und Nierengrieß ein. Ihre Hauptwirkung ist nämlich die Unterstützung der Diurese, also der vermehrten Harnausscheidung über die Niere. Bereits in die Blase eingedrungene Erreger werden dadurch ausgespült. Gleichzeitig kann einer erneuten Infektion effektiv vorgebeugt werden. Dies wird durch die in den Pflanzenteilen enthaltenen Saponine bewirkt. Die Goldrute hat zudem nachweislich eine entkrampfende Wirkung, was besonders bei Harnwegsentzündungen ein wohltuender Nebeneffekt ist. Da Solidago daneben entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften hat, wurden Teile der Pflanze im Mittelalter auch auf Wunden gelegt.

Neben den diuretisch wirkenden Saponinen enthält die Goldrute Phenolglykoside, Derivate der Salycilsäure wie Leiocarposid und Virgaureosid A sowie ätherische Öle. Das Leiocarposid und das Virgaureosid A wirken schmerzstillend, leicht entkrampfend und entzündungshemmend. Für die gelbe Farbe der Goldruten-Blüten sind Flavonoide wie beispielsweise Rutin verantwortlich. Diese sind vermutlich auch der Grund für die gefäßstabilisierende Wirkung der Arzneipflanze. Zusätzlich finden sich in der Pflanze noch Iridoide, Gerbstoffe und Polysaccharide. Nebenwirkungen sind bis auf leichte Magenbeschwerden, die selten auftreten, nicht bekannt.

Bei Beschwerden der ableitenden Harnwege kann die Goldrute als Tee getrunken werden. Hier ist ein einfaches Infus, also ein Aufguss, die sinnvollste Zubereitungsart. Dazu werden ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit kurz aufgekochtem Wasser übergossen und mindestens zehn bis fünfzehn Minuten lang ziehen gelassen. Dann wird das Kraut abgesiebt und der Tee kann getrunken werden. Pro Tag genügen bei Blasenentzündungen drei Tassen des Aufgusses. Bei Entzündungen im Mundbereich ist es auch möglich, den Goldrutentee zu gurgeln. Hautentzündungen kann man damit mehrmals täglich benetzen oder einmal täglich mit einem Wickel behandeln.

Wird der Goldrutentee getrunken, ist ein wichtiger Hinweis zur Behandlung, dass der Patient zusätzlich Flüssigkeit aufnehmen sollte, da der Körper durch die verstärkte Diurese Wasser verliert.

Gegenanzeigen – wann Solidago nicht angwandt werden sollte

Cave! Sollten Ödeme aufgrund einer eingeschränkten Herz- und Nierentätigkeit vorliegen, dann sollte eine Durchspülungstherapie mit Goldrutenkraut nicht durchgeführt werden. Außerdem wird von einer Kombination mit Diuretika abgeraten. Auch die Anwendung bei Kindern wird nicht empfohlen.

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