Handhygiene mit ätherischen Ölen: Kann das gut gehen?
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In der Laienpresse lese ich häufig, wie man Desinfektionsmittel „ganz einfach“ und „ganz natürlich“ mit ätherischen Ölen herstellen kann. Ist das pharmazeutisch überhaupt sinnvoll? Das ist meine Meinung als PTA dazu.

Seit SARS-CoV-2 die Welt in Atem hält, sind Desinfektionsmittel in unserem privaten Alltag unser täglicher Begleiter geworden. Der anfängliche Engpass ist mittlerweile behoben, sodass wir nahezu in jedem Geschäft, jeder Apotheke, jeder Arztpraxis einen Desinfektionsmittelspender finden. Sowohl Hand- als auch Flächendesinfektionsmittel sind im Handel uneingeschränkt erhältlich. Während im medizinischen und pharmazeutischen Bereich klare Qualitätsstandards erfüllt werden müssen, gibt es für den Hausgebrauch viele Rezepte in den Online-Medien zu finden, deren Wirkung mehr als fraglich erscheint. Als erfahrene Apothekenmitarbeiterin kann ich mich nur wundern.

Das empfiehlt die Laienpresse

So kann der Endverbraucher auf manchen Seiten zwischen einem „dezenten“ und einem „intensiven“ Desinfektionsmittel wählen. Für empfindliche Haut wird „genießbarer“ Alkohol wie Wodka oder Korn empfohlen. Der Alkoholgehalt beider Spirituosen beträgt maximal 40 % Vol. Erwähnt werden sollte, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Alkohol-Gehalt in Händedesinfektionsmitteln bei Ethanol 80 % V/V und bei Isopropanol 75 % V/V vorgibt. Auf diversen Websites wird empfohlen, das Wasser mit Aloe-Vera-Saft zu ersetzen, da dieser die Haut „desinfiziert und pflegt“. Und mit nur 1,5 g Xanthan „wird der Mix zu einem Gel“! Ob das wirklich so einfach ist und nicht nur ein dicker Klumpen entsteht, wenn man den Gelbildner nicht einarbeitet?!

Das Einzige, was in diesen „Mixturen“ grundsätzlich eine antimikrobielle Wirkung hat, dürften die ätherischen Öle sein. Allerdings sollten diese auch ausreichend hoch dosiert werden. Mit nur fünf Tropfen auf 100 ml in der intensiven Variante kann allenfalls ein leichter Duft erwartet werden. In der Aromatherapie wird hingegen mit höheren Dosierungen gearbeitet (bis zu 30 Tropfen auf 100 ml) und zusätzlich sind bis zu 70 % Alkohol enthalten. Aber auch diese Mischung kann das regelmäßige Händewaschen nicht ersetzen. Die Rolle der Aromatherapie bei Desinfektionsmitteln gegen Coronaviren wird nicht ganz klar.

Keimreduktion wissenschaftlich nachgewiesen

Ätherische Öle können nachgewiesenermaßen die Keimbelastung auf Haut und Schleimhaut, aber auch in der Luft verringern. Keimreduzierend und antibakteriell wirken beispielsweise ätherische Öle von Zitrone, Orange, Lemongrass, Lavendel, Thymian, Koriandersamen, Manuka, Teebaum und Nelkenknospe. Naturreine Düfte sollten am besten in Bioqualität bevorzugt werden, da es sonst nicht ausgeschlossen werden kann, dass Pestizidrückstände enthalten sind.

Der Phantasie sind bei der Herstellung keine Grenzen gesetzt. Die Düfte können je nach Empfinden einzeln oder in Kombination verwendet werden. Beispielsweise werden für ein „rosiges“, desinfizierendes Handhygienespray (100 ml) 70 ml hochprozentiger Weingeist und 30 ml Rosenwasser mit ca. 30 Tropfen ätherischen Ölen empfohlen.

Achtung bei Allergikern

Nicht außer Acht lassen darf man die Tatsache, dass manche Menschen auf ätherische Öle allergisch reagieren. Deshalb sollten die einzelnen Düfte und deren Verträglichkeit vorab auf der Haut getestet werden.

Mein Fazit

Wie so oft im Leben, kommt es sicherlich auch hier auf die richtige Mischung an. Grundsätzlich würde ich mich aber im Kampf gegen Viren und Bakterien nicht alleine auf die Wirkung der ätherischen Öle verlassen, sondern auf die nachgewiesen wirksamen Bestandteile (Alkohole) in ausreichender Menge zählen. Aber gegen eine „duftende Abwechslung“ dürfte nichts einzuwenden sein, so lange keine Unverträglichkeit besteht.

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