Migränetagebuch – dem Kopfschmerz auf die Schliche kommen
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Das klassische Tagebuch kennen wir aus unserer Kindheit sowie Jugendzeit. Und einige führen sicherlich bis heute einen Bericht über ihre Ängste und Sorgen. Mittlerweile gibt es diverse Ausführungen – darunter das Migränetagebuch.

Zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden unter Migräne. Der Umsatz von Schmerzmitteln wird im Jahr 2020 bei circa 518 Millionen Euro liegen und ein Anstieg um 4,1 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert. Doch was ist der Auslöser für die Kopfschmerzattacken? Ärzt*innen empfehlen ihren Patient*innen immer öfter, Migränetagebuch zu führen und die Schmerzen individuell zu dokumentieren. Sowohl die betroffene Person als auch der/die behandelnde Mediziner*in können aus den Aufzeichnungen wichtige diagnose- und therapierelevante Erkenntnisse gewinnen.

Migränetagebuch – Inhalte, Relevanz & Gefahren

Das Krankheitsbild Migräne beinhaltet eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und der jeweiligen Blutgefäße, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Während einer Attacke kommt es zu einer vorrübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme, sodass die leidtragende Person überempfindlich auf Reize reagiert sowie Übelkeit, Gleichgültigkeit, Müdigkeit und andere Symptome empfindet.

Grundsätzlich hilft das Migränetagebuch die wichtigsten Faktoren und Umstände zu dokumentieren. Es gibt mittlerweile einige Apps, aber auch PDF-Vorlagen sind online zu finden, bei denen beispielsweise die Häufigkeit und die Dauer der Kopfschmerzen abgefragt werden. Auch die Art des Schmerzes (stechend, dumpf oder pulsierend) sowie die empfundene Schmerzstärke (leicht bis stark) sind ausschlaggebend. Zusätzlich sind die Aspekte für eine subjektive Verbesserung (Dunkelheit, Ruhe) oder Verschlimmerung (Bewegung, Licht) des Schmerzes relevant.

Falls bekannt und greifbar, sollten die Auslöser der Schmerzattacke (zum Beispiel Stress, Menstruation, Ruhephase, bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel) festgehalten werden. Allerdings darf die Suche nach Auslösern nicht zu verbissen geführt werden, da nicht alle vermuteten Ursachen von Bedeutung sind. Schon die feste Überzeugung einen potenziellen Auslöser zu kennen, kann beim Betroffenen eine starke Erwartungsangst erzeugen, die wiederum eine Migräneattacke auslöst. Das bedeutet: Wenn jemand zum Beispiel überzeugt ist, dass Schokolade eine Migräneattacke auslöst, kann beim Verzehr eines Schokoladenstücks die starke Erwartungshaltung und somit Angst eine Attacke auslösen.

In den Aufzeichnungen des Migränetagebuchs sollten äußere Faktoren wie Wetter, Gerüche, Geräusche und der Schlaf-Wach-Rhythmus miteinbezogen werden. Für den behandelnden Arzt sind das Auftreten von Begleitsymptomen wie Seh- oder Sprachstörungen, das Vorhandensein einer Aura und die Einnahme von Medikamenten (Anzahl, Produktname, Wirkung) weitere wichtige Indikatoren, um die Ursache für die Migräne zu erörtern.

Warum sollte ein Migränetagebuch geführt werden?

Auch wenn das konsequente Buchführen anfangs zeitaufwändig und lästig erscheint, überwiegen die Vorteile. Eine Selbsteinschätzung der Erkrankung ist eindeutiger, da der Verlauf nachvollziehbar dokumentiert ist und eventuelle Trigger ermittelt werden können. Auch der behandelnde Arzt erhält eine Entscheidungs- und Handlungsgrundlage, auf deren Basis er ein Therapiekonzept für die Akutmedikation und Prophylaxe erstellen kann. Zusätzlich kann zu einem späteren Zeitpunkt der Krankheitsverlauf analysiert werden.

Außerdem kann die Einnahmehäufigkeit von Medikamenten in der Selbstmedikation besser eingeschätzt und beurteilt werden. In der Selbstmedikation stehen die bekannten schmerzlindernden Wirkstoffe Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) einzeln oder kombiniert in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung. Auch Naratriptan und Almotriptan aus der Wirkstoffgruppe der Triptane (spezielle Migränetherapeutika) sind in der Packungsgröße mit zwei Tabletten apothekenpflichtig und ohne Rezept in jeder Apotheke erhältlich.

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