mRNA-, Vektorimpfstoff und Co.: Wissenswertes zu den Corona-Impfstoffen
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Foto: iStock/CROCOTHERY

Ab dem 27. Dezember sollen bundesweit die Corona-Impfungen starten. Welche Impfstoffe spielen hierbei eine Rolle und was solltest du über sie wissen? Wie sicher sind die verschiedenen Typen? Wir klären auf.

Laut WHO gibt es über 72 Millionen bestätigte COVID-19-Fälle – darunter um die 1,6 Millionen Tote. Die meisten betroffenen Personen leben in Amerika und Europa. Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute haben schnell auf diese Entwicklung und den Erreger reagiert. So rasch wie noch nie zuvor. Auch die Kooperationsbereitschaft untereinander ist sehr hoch, sodass eine zügige Studien- und Probandenphase für die Impfstoffe realisierbar war bzw. ist. Ein großer Teil der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen sowie Medikamente gegen das Coronavirus findet laut vfa (Verband forschender Arzneimittelhersteller) in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Insgesamt sind mindestens 227 Projekte weltweit angemeldet.

Überblick: Welche Impfstoffarten werden gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt?

Es gibt vier wichtige Typen von Impfstoffen:

  • Totimpfstoffe
  • Lebendimpfstoffe
  • Vektorimpfstoffe
  • mRNA-Impfstoffe

Totimpfstoffe bestehen aus abgetöteten Krankheitserregern, die sich nicht vermehren können und vom Körper als Fremdstoffe erkannt werden. Sie aktivieren das körpereigene Immunsystem, ohne dass die Krankheit eintritt. Zu diesen Impfstoffen gehören beispielsweise Impfungen gegen Keuchhusten, Kinderlähmung, Tetanus und Hepatitis B.

Lebendimpfstoffe setzen sich aus einer geringen Menge von vermehrungsfähigen Krankheitserregern zusammen. Jedoch in abgeschwächter Form, sodass die Krankheit ebenfalls nicht ausbricht. Dazu gehören die Impfungen gegen Masern, Windpocken, Mumps und Röteln.

Bei den Vektorviren greifen die Forscher*innen auf bekannte und harmlose Viren zurück – beispielsweise das modifizierte Vaccinia-Virus Ankara (MVA). Sie sollen das Erbmaterial des neuartigen Coronavirus in menschliche Zellen einschleusen. Mit dieser Information können Körperzellen Antigene produzieren und dem Abwehrsystem zur Verfügung stellen. Um den Vektorimpfstoff in großen Mengen herzustellen, setzen die wissenschaftlichen Teams auf die Zellkultur-Technologie. Ein bereits seit 2019 zugelassener Vektor-Impfstoff im praktischen Einsatz ist der Ebola-Impfstoff Ervebo (rVSV-ZEBOV).

Im Folgenden wird der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer näher beleuchtet, der für die Impfungen gegen COVID-19 ab dem 27. Dezember verabreicht wird.

Nukleinsäuren als Impfstoffe: Was bedeutet mRNA? Wird das Erbgut beschädigt?

mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure – die sogenannte Boten-RNA. Sie ist verantwortlich für die Übertragung und den Transport von Erbinformationen in den Zellen von Lebewesen. Viele Menschen haben Angst, dass der Corona-Impfstoff das Erbgut beschädigt bzw. verändert. Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) besteht keine Möglichkeit, dass die mRNA in das Genom eindringt. Die Erbinformationen des Menschen befinden sich als DNA im Zellkern und eine Veränderung sei aufgrund der andersartigen chemischen Struktur ausgeschlossen. Die mRNA-Impfstoffe enthalten sogenannte Spikeproteine, die die Bausteine für einzelne Virusproteine (Antigene) liefern und die Virus-Erbinformationen an die Körperzellen weitergeben. Auf diese Weise wird das Immunsystem stimuliert und ein Schutz gegen das Virus aufgebaut. Bereits nach kurzer Zeit ist die mRNA abgebaut.

Zusätzlich wird die Erbinformation mit bestimmten Fettstoffen (Lipiden) ummantelt, die die Aufnahme der mRNA in den Körperzellen und die Stabilität verstärken soll. Studien zufolge wirken die entstehenden Lipid-Nanopartikel nicht zellschädigend. Das Präparat von BioNTech/Pfizer sowie Moderna gehört zu den mRNA-Impfstoffen.

Nebenwirkungen – gefährlich oder harmlos?

Am 10. Dezember wurden die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie von BioNTech/Pfizer im The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDiCINE veröffentlicht – dabei wird Bezug auf die Sicherheit und Effektivität genommen. Insgesamt haben 43.548 Probanden ab 16 Jahren teilgenommen und haben entweder die Placeboinjektionen oder den tatsächlichen Wirkstoff erhalten. Die Impfdosen wurden an Tag 0 und Tag 21 verabreicht, die Betroffenen über 2 Monate beobachtet. Impfstoffprobanden wiesen lokale Reaktionen (Schmerz, Schwellungen, Hautrötungen) und systemische Reaktionen (zum Beispiel Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen) auf. Die typischen Nebenwirkungen einer Impfung waren mild bis moderat ausgeprägt und nur vorübergehend. Auch der Moderna-Impfstoff weist ähnliche Nebenwirkungen wie bei BioNTech auf.

Der BioNTech-Impfstoff zeigte erste Schutzfunktionen zwölf Tage nach der ersten Injektion, sieben Tage nach der zweiten gab es eine Wirksamkeit von 95 Prozent. „Warnungen vor Erbgutschäden sind falsch und verursachen unbegründete Ängste“, sagte PEI-Präsident Cichutek im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Es gibt schon Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen im Rahmen klinischer Prüfungen, etwa mit einem therapeutischen Tumorimpfstoff. Dabei haben sich keine besorgniserregenden Nebenwirkungen gezeigt. Auch bei umfangreichen Tierversuchen mit mRNA-Impfstoffen gab es keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen oder Schäden.“

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