Optimale Wundversorgung: Warum Gele besser sind als Salben
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Wie schnell ist es passiert: ein aufgeschlagenes Knie, ein Schnitt am Finger, ein Kratzer im Gesicht, kleine Missgeschicke, die tagtäglich vorkommen.

Reinigung und Desinfektion der Wunde

Zuerst solltest du die Verletzung, wenn nötig, von grobem Schmutz befreien. Dazu spülst du sie mit lauwarmem Leitungswasser oder Trinkwasser. So wird sie von beispielsweise Erdresten und kleineren Steinchen gereinigt. Größere Fremdkörper dürfen nur von einem Arzt entfernt werden. Leichte Blutungen solltest du nicht sofort stoppen, da auch sie helfen, Verunreinigungen aus der Wunde zu waschen. Zur Wundreinigung empfehlen sich auch Präparate aus der Apotheke.

So gibt es das Medigel Wundreinigungsspray (Medice Arzneimittel), das neben dem Tensid „Cocamidopropyl Betain“ außerdem Zink- und Eisenionen enthält.  Diese sollen nach Angaben des Herstellers einen sauren pH-Wert in der Wunde (3,1 bis 3,3) erzeugen und die natürlichen Heilungsprozesse aktivieren. Das saure Milieu schafft gleichzeitig auch ungünstige Wachstumsbedingungen für Erreger. Das Medizinprodukt spült Mikroorganismen und Schmutz von der Wundoberfläche. Nach dem Aufsprühen sollte es mit einer sterilen Kompresse nach ca. 60 Sekunden abgewischt werden. Zum Lösen von Verkrustungen und anhaftenden Verbänden hingegen muss das Spray zehn bis 15 Minuten einwirken. Bei infizierten Wunden oder Verletzungen mit einem hohes Infektionsrisiko wie bei Bisswunden, Platzwunden, Kratzwunden ist eine anschließende antiseptische Behandlung unbedingt notwendig.

Eine Desinfektion der Wunde ist aber generell empfehlenswert, um das Infektionsrisiko zu verringern. Dazu gibt es spezielle Sprays, die durch das beispielsweise enthaltene Octenidin (Octenisept Wunddesinfektionsspray, Schülke & Mayr) oder Polyhexanid (Hansaplast Wundspray, Beiersdorf) Mikroorganismen abtöten. Diese Produkte sind farblos und brennen nicht. Daher sind sie auch ideal für die Anwendung bei Kindern und auch bei empfindlicher Haut geeignet.

Nächster Schritt: Wundgel auftragen

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sollte eine Wunde feucht behandelt werden, da dann der Wundverschluss optimal stattfinden kann. Fettige Wundheilsalben sind daher nicht zu empfehlen. Um die Heilung daher optimal zu unterstützen und eine Schorfbildung sowie den damit verbundenen Spannungsschmerz zu vermeiden, kannst du nun ein Wundgel auftragen. Gele sind ideal, weil sie einen atmungsaktiven Schutzfilm vor Keimen bilden, ein Austrocknen der Wunde verhindern und das Risiko der Narbenbildung deutlich reduzieren. Technologisch handelt es sich meist um Hydrogele, beispielsweise Octenisept Gel (Schülke & Mayr) oder Tyrosur Careexpert Wundgel (Engelhard). Bei Medigel Schnelle Wundheilung (Medice Arzneimittel) handelt es sich hingegen um ein hydroaktives Lipogel. Die Anwendung kann je nach Produkt mehrmals täglich erfolgen.

Je nach Größe der Wunde kann zum Schluss ein Verband aufgelegt oder ein Pflaster aufgeklebt werden. Zu guter Letzt sollte der Tetanus-Impfschutz überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.

Achtung bei infizierten Wunden!

Für kleine, oberflächlich infizierte Wunden gibt es beispielsweise das apothekenpflichtige Hydrogel Tyrosur Wundheilgel (Engelhard) mit dem antibakteriellen Wirkstoff Tyrothricin, das zwei- bis dreimal täglich aufgetragen wird. Ein Verband ist bei leichteren Verletzungen oder Hautentzündungen an unbedeckten Körperstellen in der Regel nicht erforderlich. Bei nässenden Wunden empfiehlt sich das Anlegen eines Schutzverbandes, der jeweils nach eins bis zwei Tagen oder gemäß ärztlicher Anweisung erneuert werden sollte. Sollten sich die Entzündung nicht innerhalb von sieben Tagen bessern oder gar verschlimmern, muss ein Arzt aufgesucht werden.
 

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