Osteoporose – stille Gefahr für die Knochen
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Foto: iStock/ChooChin

Die Osteoporose ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine der zehn wichtigsten Erkrankungen weltweit. Experten fordern Präventionsmaßnahmen, um frühzeitig in den Krankheitsverlauf eingreifen zu können.

Unsere Knochen befinden sich in einem ständigen Auf- und Umbauprozess. Bis circa zum 35. Lebensjahr wird normalerweise mehr Knochenmasse auf- als abgebaut. Danach überwiegt der Knochenabbau, in der Folge verlieren gesunde Menschen jährlich bis zu einem Prozent ihrer Knochenmasse. Wird dieser normale Knochenstoffwechsel gestört, so dass der Knochenaufbau gehemmt und/oder der Abbau gefördert wird, schwindet die Knochenmasse und eine Osteoporose entsteht. Im Extremfall verlieren die Patienten jährlich bis zu sechs Prozent ihrer Knochenmasse. Da sie anfangs nahezu symptomlos verläuft, wird sie häufig erst nach ersten Frakturen entdeckt. Allein in Deutschland verursacht Osteoporose jährliche Krankheitskosten von circa drei Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Wer ist hauptsächlich von Osteoporose betroffen?

Meist tritt die Osteoporose im höheren Alter auf. In Deutschland leidet ein Viertel der über 50-Jährigen unter der Erkrankung, wobei 80 Prozent davon Frauen nach der Menopause sind und nur 20 Prozent Männer.

Bei der Erkrankung werden verschiedene Formen unterschieden. Zum einen gibt es die primäre Osteoporose (95 Prozent der Fälle), die bei Frauen durch den Östrogenmangel in den Wechseljahren oder bei beiden Geschlechtern durch erhöhten Knochenabbau verursacht wird. Die sekundäre Osteoporose hingegen tritt bei fünf Prozent auf. Hier wird der Knochenschwund durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente ausgelöst, wie zum Beispiel eine lange Immobilisation, Magen-Darm-Erkrankungen oder die Einnahme von Zytostatika oder Kortikosteroiden.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Zu Anfang haben die Betroffenen keine Beschwerden, erst im späteren Verlauf der Krankheit kommt es zu Rückenschmerzen und Knochenbrüchen nach Bagatellverletzungen oder auch Verletzungen ganz ohne einen Anlass. Typisch sind Unterarmbrüche, der gefürchtete Oberschenkelhalsbruch und Wirbelkörperfrakturen. Letztere bewirken ein Abnehmen der Körpergröße (Schrumpfen) und die Ausbildung eines Rundrückens, der sogenannte Witwenbuckel. Für Betroffene entsteht ein Teufelskreis. Aus Angst vor erneuten Brüchen entsteht eine Gangunsicherheit, welche wiederum das Sturzrisiko erhöht.

Diagnose der unheilbaren Krankheit

Da die Osteoporose unheilbar ist, ist eine frühzeitige Diagnose unumgänglich, damit der Verlauf verlangsamt werden kann. Der Arzt wird zuerst die individuellen Osteoporose-Risikofaktoren des Patienten, wie frühere Knochenbrüche, Grunderkrankungen und Arzneimitteleinnahme erfragen, dann die Beweglichkeit prüfen und zuletzt eine Knochendichtemessung an der Lendenwirbelsäule und am Hüftknochen durchführen. Der bei dieser strahlungsarmen Röntgenmethode ermittelte T-Wert gibt an, wie weit die ermittelte Knochendichte von einem gesunden 30-jährigen Menschen abweicht. Je niedriger der Wert, desto weiter fortgeschritten ist die Osteoporose.

Therapieformen und deren Wirksamkeit

Zu den wichtigsten Basismaßnahmen zählen regelmäßige Bewegung, um sowohl Knochen als auch Muskulatur zu stärken, so wie eine ausgewogene, calciumreiche Ernährung. Der Mineralstoff ist wichtig für gesunde und starke Knochen und ist vor allem in Milchprodukten, grünem Gemüse (Brokkoli und Spinat) und in Mineralwässern enthalten. Zusätzlich bewirkt Vitamin D eine bessere Aufnahme von Calcium aus dem Darm und einen besseren Einbau in die Knochen. Wenn der tägliche Bedarf von 1000 Milligramm Calcium und 1000 I.E. Vitamin D durch die Ernährung nicht gedeckt werden kann, müssen beide Stoffe substituiert werden. In der Apotheke gibt es dafür viele verschiedene Präparate.

Auch das Tragen von Hüft- und Rückenprotektoren schützt die Knochen vor Brüchen. Während Knochenbrüche durch Ruhigstellung behandelt oder chirurgisch versorgt werden müssen, kann der Knochenschwund auch medikamentös behandelt werden, beispielsweise mit Bisphosphonaten wie Alendronsäure und Zoledronsäure. Sie sind die Mittel der ersten Wahl in der Osteoporose-Therapie und werden je nach Wirkstoff wöchentlich oder monatlich eingenommen oder ein- bis vierteljährlich infundiert. Die vorhandene Knochenmasse wird damit gestärkt und der übermäßige Abbau wird gebremst.

Die selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren Raloxifen und Bazedoxifen ahmen ausschließlich bei weiblichen Patienten die Wirkung des weiblichen Östrogens an den Knochen nach und wirken so bei täglicher Einnahme dem Knochenabbau entgegen. Der monoklonale Antikörper Denosumab hemmt die Entstehung und Aktivität der knochenschädlichen Zellen und muss nur zweimal im Jahr gespritzt werden. Eher selten wird Strontiumranelat eingesetzt. Das Trinkgranulat wird täglich eingenommen und hemmt ebenfalls den Knochenabbau, steigert aber auch gleichzeitig die Aktivität der knochenaufbauenden Zellen. Der Abkömmling des körpereigenen Parathormons, das Teriparatid, muss einmal täglich gespritzt werden. Es fördert den Knochenaufbau und die Bildung neuer Knochenstrukturen.

Versorgungslage und Kritik

Osteoporose ist eine Volkskrankheit und betrifft schätzungsweise sechs bis sieben Millionen Menschen in Deutschland. Kritiker weisen darauf hin, dass bisher zu wenig dafür getan werde, „die Versorgung von Osteoporose-PatientInnen nachhaltig zu verbessern“. Aus diesem Grund haben die Healthcare Frauen, der Dachverbandes Osteologie (DVO), der Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverbandes (OSD), des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und der Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose (BfO) eine gemeinsame Petition gestartet. Die Initiatoren fordern, die Situation der Patient*innen in Deutschland nachhaltig zu verbessern.

In der Begründung der Petition heißt es: „Laut Schätzungen wird weniger als ein Viertel der 6 Millionen Betroffenen frühzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt. Dies liegt vor allem daran, dass die leitlinien-empfohlenen diagnostischen Maßnahmen nur unzureichend umgesetzt werden“. Gesetzlich vorgeschriebene, strukturierte Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung fehlten derzeit, würden die Versorgungssituation aber nachhaltig verbessern. Hier kannst du die Petition digital unterzeichnen und mithelfen, ein strukturiertes Voruntersuchungskonzept für Risikopatient*innen im Koalitionsvertrag zu verankern.

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