Pandemien der Menschheit: die 6 Phasen der Übertragung

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Pandemien gibt es nicht erst seit Corona – die Menschheit hatte seit Anbeginn mit ihnen zu kämpfen. Wir haben uns angeschaut, mit welchen Massenerkrankungen wir bisher Kontakt hatten und wann sie als solche eingestuft werden.

Was bedeutet eigentlich der Begriff Pandemie? Die Epidemie ist ein örtlich begrenzter Ausbruch einer ansteckenden Krankheit. Die Pandemie wird als eine Epidemie definiert, die ein globales Ausmaß einnimmt. Das Wort Pandemie kommt übrigens aus dem Griechischen und heißt übersetzt so viel wie „das ganze Volk“.

Früher wurden weltweite Ausbrüche von Infektionskrankheiten mit reisenden Händlern auf wichtigen Handelsrouten erklärt, heute werden eher Reisende auf Flugrouten und der stark gestiegene Reisetourismus als Auslöser und Übertragungsweg gesehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielt mögliche Pandemien regelmäßig in Simulationen durch und hat schon früh darauf hingewiesen, dass durch viele Erkrankte die Gesundheitssysteme verschiedener Länder oder Staaten überlastet werden können. Gut zu wissen: Die Ausrufung einer Pandemie erfolgt über den Generaldirektor der WHO.

6 Phasen bis zu einer Pandemie-Einstufung

Die WHO teilt das Risiko einer auftretenden, pandemischen Krankheit und das damit einhergehende Risiko einer Übertragung auf den Menschen in einem globalen Ausmaß in insgesamt sechs Phasen ein:

  • Phase 1: Bei Tieren wird ein neuer Virus-Subtyp entdeckt, der aber nur mit geringer Wahrscheinlichkeit auf den Menschen übergeht.
  • Phase 2: Die Wahrscheinlichkeit, dass der neu entdeckte Subtyp sich auf Menschen überträgt, wird auf erheblich angehoben.
  • Phase 3 (Beginn der Alarmphase): Beim Menschen werden vereinzelt Fälle des neuen Subtyps festgestellt. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist jedoch selten und tritt nur bei engem Kontakt mit einem Infizierten auf.
  • Phase 4: Örtlich begrenzte Häufung von Krankheitsfällen und begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen werden dokumentiert.
  • Phase 5 (erhebliches Pandemierisiko): Große Häufungen von Infektionen und örtlich begrenzte Mensch-zu-Mensch-Infektion.
  • Phase 6 (Pandemie): Wachsende und anhaltende Übertragungen von Mensch-zu-Mensch in der gesamten Bevölkerung.

Große Pandemien der Menschheitsgeschichte

Pandemien sind keine Seltenheit - zu den bedeutenden und mit modernen Mitteln nachgewiesene Pandemien gehören bisher folgende:

  • Antoninische Pest, 165 bis 180 n. Chr.: Sie wurde nach Marcus Aurelius Antonius (Mark Aurel) benannt. Eine Beschreibung der Krankheit lässt den Schluss zu, dass es sich um einen besonders virulenten Pockenstamm handelte. Diese Pestform breitete sich fast im gesamten römischen Reich aus und fordert rund fünf Millionen Tote.
  • Justinianische Pest, 541 bis 770 n. Chr.: Der Name lässt sich auf den oströmischen Kaiser Justinian zurückführen. Sie verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum und in der ganzen – den Römer*innen bekannten – Welt. Diese Pandemie hat zum Ende der Antike beigetragen und gilt als die größte dieser Epoche. Ihr werden apokalyptische Ausmaße zugeschrieben, doch die Todeszahlen sind umstritten: Man geht davon aus, dass ein Viertel bis hin zur Hälfte der Einwohner*innen der infizierten Gebiete starb.
  • Schwarzer Tod (die Pest) 1346 bis 1353 n. Chr.: Der wahrscheinlich aus Zentralasien stammende Erreger verbreitete sich wahrscheinlich durch Rattenflöhe. Der Schwarze Tod fordert insgesamt knapp 25 Millionen Leben – ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung.
  • Pocken, 18. bis 20. Jahrhundert: Durch Tröpfchen übertragen, fielen in Europa alle Bevölkerungsschichten den Pocken zum Opfer. Goethe, Mozart und weitere Personen der Zeitgeschichte sind bekannte Erkrankte. Die Zahl der Opfer wird auf 500.000 jährlich geschätzt. Ein letztes Hoch dieser Erkrankung kam mit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges auf, in dem es rund 189.000 Gefallene gab. Die Pocken sind seit Ende der 1970er-Jahre durch Impfungen weltweit ausgerottet.
  • Cholera, etwa 1817 bis heute: Der Erreger verbreitet sich immer wieder durch unsauberes Trinkwasser. Bis zum heutigen Tag sind durch Cholera sieben Pandemien ausgelöst worden, die letzte begann 1961 und hält bis heute an. Damit ist sie die längste, grassierende Pandemie. Durch den langen Verlauf und die verschiedenen Ausbruchsgebiete kann keine genaue Zahl von Toten genannt werden.
  • Dritte Pest-Pandemie, 1896 bis 1911 n. Chr.: Erstmals in China auftretend verbreitete sie sich in die ganze Welt, besonders Indien war stark betroffen. Insgesamt starben 15 Millionen Menschen.
  • Spanische Grippe, 1918 bis 1920 n. Chr.: Wahrscheinlich wurde diese Form durch den ersten Weltkrieg in die ganze Welt übertragen – Ursprung waren die Vereinigten Staaten. Die Grippeform erhielt den attributiven Zusatz, da Spanien im ersten Weltkrieg eine neutrale Haltung einnahm und dadurch eine offenere Berichterstattung – im Gegensatz zum Rest Europas – ausübt. Daraus resultierten erste Meldungen zur Krankheit. Schätzungen gehen von 20 bis 100 Millionen Toten aus. Damit forderte sie weit mehr Todesopfer als die im ersten Weltkrieg verstorbenen 17 Millionen Menschen.
  • Ausbreitung von HIV/AIDS, seit Anfang der 1980er-Jahre: Das Virus wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Seit 1980 gibt es etwa 77 Millionen Infizierte und rund 33 Millionen Todesopfer.
  • COVID-19-Pandemie, 2020 bis heute: In der Gegenwart erleben wir die sogenannte Corona-Pandemie. Die WHO meldet bisher um die 116 Millionen bestätigte Infizierte und circa 2,5 Millionen bestätigte Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 (Stand: 04. März 2021).

Wusstest du über die bisherigen Pandemien unserer Bevölkerung Bescheid? Und kanntest du das Phasenmodell der WHO bereits? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare.

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