Studie: Stoßlüften deutlich wirksamer als Luftfiltergeräte
bg-image

Eines der meistdiskutierten Themen in der Pandemie ist der Einsatz von Luftfiltern in geschlossenen Räumen. Das Umweltbundesamt empfiehlt stattdessen das Stoßlüften. Eine Studie bestätigt, dass die Methode wirksamer ist.

Beim ersten Lockdown wurden die Schulen noch geschlossen, jetzt haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, sie offenzuhalten – sehr zur Freude der berufstätigen Eltern. Doch diese Entscheidung hat die Diskussion, ob in geschlossenen Räumen wie Klassenzimmern Stoßlüften oder der Einsatz von Luftfiltergeräten wirksamer ist, befeuert.

Es haben sich in den letzten Wochen zwei gegensätzliche Auffassungen manifestiert: Befürworter des Stoßlüftens und Fürsprecher der Luftfiltergeräte. Das Umweltbundesamt (UBA) sprach jüngst die Empfehlung aus, auf Stoßlüften zu setzen. Eine Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) kam ebenfalls zu dem Schluss, dass es effektiver als Luftfiltergeräte sei.

Konzentration an Aerosolen sinkt bis zu 99,8 Prozent

Die THM ermittelte unter der Leitung von Dr. Hans-Martin Seipp und Dr. Thomas Steffens in einer Wiesbadener Schule, wie sich dort die Fenster-Stoßlüftung auf lungengängige Aerosole auswirkt. Als wesentliches Resultat habe sich gezeigt, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von sieben bis elf Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent senke. Damit habe sich die Fensterstoßlüftung um das zehn bis 80-fache wirksamer erwiesen als ein unlängst dokumentierter Einsatz der maschinellen Luftfilterung. In demselben Klassenraum mit vier mobilen Luftfiltergeräten sei nach circa 30 Minuten bei gleichzeitigem Dauerbetrieb eine Reduzierung der Konzentration um 90 Prozent festgestellt worden. Es sei auch widerlegt worden, dass die Luft durch das regelmäßige Öffnen der Fenster auf Dauer zu stark abkühle.

Seipp und Steffens verweisen auf zwei Punkte, die zusätzlich gegen den Einsatz von Luftfiltergeräten sprechen: erstens die zu hohe Lautstärke, zweitens die Kosten. Hochleistungs-Partikelfilter seien allen internationalen Normen entsprechend stets mit effizienten Vorfiltern zu betreiben. Damit seien aber mobile Luftfiltergeräte der Preisklasse unter 4.500 Euro in der Regel nicht ausgestattet, ebenso wenig mit einem Melder für den regelmäßigen Filterwechsel. Beides könne dazu führen, dass die Filterleistung sinke und immer mehr Aerosole in der Raumluft verblieben.

Kommentare zum Artikel (92)

Nur verifizierte Nutzer können die Kommentare sehen.

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Ein polnisches Start-up hat einen frei zugänglichen Corona-Impfterminrechner entwickelt. Im Februar könnte ein weiterer Impfstoff zugelassen werden. Die Staatsanwaltschaft erhebt neue Vorwürfe gegen AvP-Mitarbeiter.

Die Ausgabe kostenloser FFP2-Masken sorgt für Stress in den Apotheken. Großbritannien hat mit den Corona-Impfungen begonnen, dabei sind allergische Reaktionen aufgetreten. Ärzte können aber beruhigen. Keine AvP-Hilfen geplant.

Im verschärften Lockdown gilt in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln jetzt die Pflicht zum Tragen von OP- oder FFP-2-Masken. Wir erklären dir, was du beim Mehrfachverwenden von Letzteren dringend beachten solltest.

In der Laienpresse lese ich häufig, wie man Desinfektionsmittel „ganz einfach“ und „ganz natürlich“ mit ätherischen Ölen herstellen kann. Ist das pharmazeutisch überhaupt sinnvoll? Das ist meine Meinung als PTA dazu.