Vibrionen – unsichtbare Gefahr aus dem Meer
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Sonne, Sand und Meer – ein schöner Anblick für viele, dennoch können Gefahren lauern, die mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen sind: Vibrionen.

Sonne, Sand und Meer – ein schöner Anblick für viele, dennoch können Gefahren lauern, die mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen sind: Vibrionen. Eine Infektion mit diesen Bakterien kann im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen, bei immunschwachen Personen lebensbedrohlich, in Ausnahmefällen sogar tödlich sein. Das solltest du wissen.


Was genau sind Vibrionen?

Bei den Erregern handelt es ich um gramnegative, mäßig bis ausgeprägt halophile (salzbedürftige), leicht gekrümmte Stäbchenbakterien. Von den derzeit 12 bekannten humanpathogenen Spezies ist der bekannteste Vertreter Vibrio cholerae (V. cholerae), der Erreger der epidemischen Cholera. Alle anderen Arten wie zum Beispiel V. parahaemolyticus, V. vulnificus, V. fluvialis, V. furnissii werden als Nicht-Cholera-Vibrionen zusammengefasst.


Wo kommen sie vor?

In der Bakterienflora salzhaltiger Meerwässer (Meerwasser, Küstengewässer, salzhaltige Binnengewässer) kommen Vibrionen natürlicherweise nahezu weltweit vor. Temperaturen ab 20 Grad und niedrigere Salzgehalte (an Flussmündungen, an Küsten, in der Ostsee generell) sorgen für optimale Lebensbedingungen.


Wie gelangen die Bakterien in den Körper?

Durch Hautverletzungen und/oder den Verzehr von rohem Fisch und Meeresfrüchten gelangen die Vibrionen in den Körper und können innerhalb von vier bis 96 Stunden je nach Erreger Ohrinfektionen, Wundinfektionen oder Magen-Darm-Infektionen verursachen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Sepsis kommen. Das ist eine generalisierte Infektion mit Erregern über die Blutbahn, wodurch zum Teil mehrere Organe betroffen werden.


Symptome und Therapieoptionen

Ist eine Wunde mit Vibrionen infiziert, kommt es oft zu einem überproportional starken lokalen Schmerz. Tiefgreifende Nekrosen und Hautulzerationen, die eine chirurgische Versorgung, in seltenen Fällen sogar eine Amputation nötig machen, können die Folge sein.

Starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und wässriger Durchfall treten bei der gastrointestinalen Infektion auf. Diese verläuft meist mild, allerdings kann auch hier eine Sepsis auftreten. Wichtig ist, dass schnell adäquat behandelt wird. Hierfür kommen Antibiotika wie Cephalosporine der dritten Generation, Gyrasehemmer oder Tetracycline zum Einsatz. Wundinfektionen müssen möglichst schon bei begründetem Verdacht engmaschig beobachtet werden.


Risikogruppen und Häufigkeit

Personen höheren Alters und chronisch Kranke, beispielsweise Patienten mit Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Diabetes mellitus, Krebserkrankungen, schweren Herzerkrankungen und immunsupprimierenden Erkrankungen, haben eine höhere Gefahr durch Vibrionen zu erkranken.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) traten an deutschen Küsten vor allem in wärmeren Sommern bis zu 20 Fälle pro Jahr auf. Die Infektionen sind also eher selten, vermutlich werden einige aber auch nicht als solche erkannt.


Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz

Seit März 2020 besteht in Deutschland eine namentliche Meldepflicht für alle Infektionen mit humanpathogenen Vibrio-Arten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Einzige Ausnahme ist das alleinige Vorliegen einer Ohrinfektion mit Nicht-Cholera-Vibrionen. Durch die Meldung haben die Gesundheitsämter die Möglichkeit, räumliche Fallhäufungen zu erkennen und gegebenenfalls Interventionsmaßnahmen zu ergreifen. So können vor allem die Risikogruppen informiert und gewarnt werden. Außerdem wird ein Zusammenhang zu klimatischen Faktoren vermutet, so dass Überwachung und Datensammlung in vielen Bereichen von Bedeutung sind.

 

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