Wie gelingen gute Vorsätze zum Jahreswechsel? Tipps für die Beratung (Teil 2)
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In Teil eins haben wir dich über Nikotin und dessen Folgen sowie die anfängliche Beratung der Kundschaft aufgeklärt. Im zweiten Part werden die medikamentöse Entwöhnung und Option der Therapie genauer erläutert.

Wer weniger raucht, kommt möglicherweise ohne Pflaster aus, das kontinuierlich Nikotin freisetzt. Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays und Inhaler setzen das Nikotin sofort frei, es kann innerhalb kurzer Zeit anfluten und den „Schmacht“ nach einer Zigarette sofort ausbremsen. Wenn du den Kund*innen das genaue Kauschema praktisch vor Ort direkt veranschaulichst, erkennen sie womöglich sofort den Effekt des Ablenkens aufgrund des Kauvorgangs. Folgende Punkte sind bei Nikotinkaugummis zu beachten:

  • Langsames und gleichmäßiges Kauen
  • Wenn das Kaugummi plötzlich scharf schmeckt, den Vorgang unterbrechen.
  • Ein Kaugummi gibt bei richtiger Kauweise über 30 Minuten lang Nikotin ab.
  • Ein regelmäßiger Seitenwechsel in der Mundhöhle nach zweimaligem Kauen ist sinnvoll.

Sublingualtablette, Spray und Inhaler: Was hilft im Einzelfall?

Falls es den Kund*innen zu aufwändig ist, können sie eine Sublingualtablette nutzen, die sie unter die Zunge legen und halten. Sie löst sich innerhalb einer halben Stunde auf. Ein Spray ist ebenfalls schnell und unkompliziert einzusetzen:

  • Eine Zigarette wird mit einem bis zwei Sprühstößen ersetzt.
  • Das Spray wird mit der Öffnung ganz nah an den geöffneten Mund gehalten.
  • Es wird in die Mundhöhle oder in die seitliche Wangentasche gesprüht.
  • Währenddessen darf nicht geschluckt, eingeatmet, die Lippen benetzt, gegessen oder getrunken werden.

Wer das Rauchen als Tätigkeit selbst braucht und Hände sowie Atemwege beschäftigt haben muss, für den ist ein Inhaler die richtige Wahl. Hier sind folgende Informationen für deine*n Kund*in relevant:

  • Der Inhaler setzt weniger Nikotin als eine Zigarette frei – pro Atemzug ungefähr die Hälfte.
  • Daher sollte länger als bei einer Zigarette inhaliert werden.
  • Die Atemzüge sollten tiefer als beim normalen Rauchen sein.

Nikotinersatztherapie (NET): Raucherentwöhnung mit hoher Erfolgsgarantie

Eine Nikotinersatztherapie schlägt bei einer kombinierten Vorgehensweise am besten an. Ganz besonders erfolgversprechend ist eine begleitende Verhaltenstherapie. In Kombination mit den Nikotinersatzpräparaten ist der Anteil der Personen, die die Raucherentwöhnung schaffen, definitiv größer. Zusätzlich sind die nachstehenden Faktoren in der Beratung ausschlaggebend:

  • Ein Kunde, der unter Depressionen leidet oder in der Vergangenheit bereits depressive Episoden hatte, sollte vor dem Ausstieg mit seinem behandelnden Arzt Kontakt aufnehmen.
  • Nikotinersatzpräparate müssen außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, da sie speziell bei Kleinkindern schwere Vergiftungssymptome auslösen können.
  • Eine NET ist bei folgenden Vorerkrankungen kontraindiziert: Angina pectoris, schwere Arrhythmien, schwere arterielle Verschlusskrankheiten, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bupropion und Varencelin – Medikamente zur Raucherentwöhnung

Alle Kunden, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen nicht für eine NET geeignet sind, können sich bei ihrem Hausarzt Hilfe suchen. Er kann möglicherweise ein Medikament mit dem Wirkstoff Bupropion oder Vareniclin verordnen.

Bupropion ist sowohl als Raucherentwöhnungsmittel als auch Antidepressivum im Handel erhältlich. Der Wirkmechanismus ist noch nicht endgültig geklärt, aber es wird angenommen, dass die Entzugssymptome durch eine Wiederaufnahmehemmung von Dopamin und Noradrenalin abgemildert werden. Für Personen, die unter Magersucht, Ess- und Brechsucht, Krampfanfällen, manisch-depressiven Episoden, Leberfunktionsstörungen, Tumoren des Zentralen Nervensystems leiden und/oder sich in einem Alkohol- oder Benzodiazepinen-Entzug befinden, ist diese Art der Therapie ungeeignet.

Wirkmechanismus von Vareniclin ist ausreichend bekannt

Vareniclin ist ein partieller Agonist, der sich selektiv an nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn bindet. Damit wird die Freisetzung verschiedener Neurotransmitter stimuliert. Falls während der Vareniclin-Therapie geraucht wird, hat der Wirkstoff eine höhere Affinität zu den Bindungsstellen als Nikotin. Die Wirkung des Alkaloids wird dadurch abgeschwächt und seine euphorisierende Wirkung bleibt aus. Ein großer Vorteil dieses Medikaments ist seine gute Verträglichkeit und seine geringe Interaktion mit anderen Arzneimitteln.

Das Rauchen verkürzt das Leben deiner Kund*innen um durchschnittlich zehn Jahre. Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum in Deutschland verursachen die durch Nikotin ausgelösten Krankheiten direkte und indirekte Kosten von knapp 80 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb ist eine gute Beratung in dieser Hinsicht besonders signifikant. Es gibt kaum einen besseren Vorsatz zum Jahresbeginn, der sinnvoller und besser für die Gesundheit und den Geldbeutel ist.

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