Wochenrückblick 14. – 18. September 2020
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Unser wöchentlicher Rückblick mit den wichtigsten Nachrichten aus der Apothekenwelt – dieses Mal mit der AvP-Insolvenz, dem Patientendaten-Schutzgesetz und dem Arzneiverordnungsreport 2020.

Rechenzentrum insolvent
Die überraschende Nachricht für jegliches Apothekenpersonal: Das Apotheken-Rechenzentrum AvP hat mit großen Problemen zu kämpfen und stellt einen Insolvenzantrag. Was vorher bereits befürchtet wurde, hat sich nun bewahrheitet. Laut Bernhard Bellinger – Steuerberater und Rechtsanwalt vieler Apotheker – zählt AvP zu den großen Abrechnungszentren mit wohl rund 3.500 Kunden. Das würde etwa ein Fünftel des deutschen Marktes beinhalten. „Die Beträge, um die es geht, sind gesalzen. Das sind durchaus bis zu 400.000 Euro pro Apotheke, die ausstehen – im Durchschnitt wahrscheinlich rund 120.000 Euro“, so Bellinger gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Seit Tagen warten zahlreiche Apotheker auf ihre Zahlungen, schlimmstenfalls können sie bald ihre eigenen Rechnungen nicht begleichen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist eingeschaltet, die Staatsanwaltschaft (noch) nicht. Wie sich Apotheken in nächster Zeit verhalten und aufstellen sollen, hat Bellinger gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) erklärt.

Patientendaten-Schutzgesetz
Der Deutsche Bundesrat hat am Freitag grünes Licht für das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) gegeben. Er folgte damit der Empfehlung des Gesundheitsausschusses und verzichtete darauf, den Vermittlungsausschuss einzuschalten. Der Weg ist jetzt frei für das Gesetz, das auch das E-Rezept betrifft und das Makelverbot mit elektronischen Verordnungen sichern soll. Doch es gibt zum Teil harsche Kritik am PDSG. Möglich ist gar eine Verfassungsbeschwerde, die das Hamburger Start-up-Unternehmen meinRezept.online erwägt, sobald das Gesetz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschrieben wird und damit in Kraft tritt. Die Firma sieht es als ein indirektes Berufsverbot.

Krankenkassen sparen – dank Rabattverträgen
Fallen die Begriffe „Rabattverträge“ und „Festpreise“, werden Apothekeninhaber*innen oft hellhörig. Besonders wenn sie im Zusammenhang mit Krankenkassen in Erscheinung treten, denn sie sind offenbar noch immer die wichtigsten Sparinstrumente für Krankenkassen. Zusammen ließen sich 2019 die Kosten für Medikamente zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um etwa 13,2 Milliarden Euro drücken. Das ist eines der Ergebnisse des diesjährigen Arzneiverordnungsreports.

Desinfektionsmittel-Hersteller im Fokus
Noch vor wenigen Monaten – vor allem kurz nach Pandemiebeginn – waren Desinfektionsmittel eine gefragte Ware. Das rief einige etablierte und neue Hersteller auf den Plan, Desinfektionsmittel in großen Mengen zu produzieren – und offensiv zu bewerben. Diese Entwicklung entging der Wettbewerbszentrale nicht und sie beanstandete in einer Pressemitteilung elf Werbeaussagen im Internet oder auf Etiketten. Die Kritik führte in sechs Fällen zur Korrektur der Werbung, zwei Mal wurde eine Unterlassungsklage erhoben und bei drei weiteren Sachverhalten ist der Austausch mit den betroffenen Unternehmen noch nicht abgeschlossen. In den meisten Fällen geht es um eine Verharmlosung des Produkts. Laut der Institution sind bei Desinfektionsmitteln Kennzeichnungen wie „hautfreundlich“ irreführend; schließlich dienten sie in erster Linie der Abtötung von Bakterien, Pilzen & Co.

 

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