Wochenrückblick: FFP2 in Apotheken, wer wird zuerst geimpft und allergische Reaktionen auf Impfstoff
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Die Ausgabe kostenloser FFP2-Masken sorgt für Stress in den Apotheken. Großbritannien hat mit den Corona-Impfungen begonnen, dabei sind allergische Reaktionen aufgetreten. Ärzte können aber beruhigen. Keine AvP-Hilfen geplant.

Maskenabgabe für Risikopatienten in Apotheken

Es ist das relevanteste Thema in diesen Tagen: Die Infektionszahlen sinken nicht – auch deshalb sollen Risikopatienten und Senioren (Gesamtzahl rund 27 Millionen) für einen besseren Schutz FFP2-Atemschutzmasken erhalten. Frühestens ab dem 15. Dezember können die betroffenen Gruppen diese über die Apotheken kostenlos beziehen, die die Masken auf eine komplizierte Weise abrechnen müssen. Auf diesem Weg sollen 400 Millionen Masken verteilt werden – eine gewaltige Zahl. Im Dezember sind drei Masken pro Person vorgesehen. Die Vergabe wird durch eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) geregelt, wobei es sich noch um einen Entwurf handelt.

Es gibt bereits mehrere Kritikpunkte: In der ersten Abgabewelle sollen die Apotheken selbst prüfen, ob jemand anspruchsberechtigt ist oder nicht. Die Kunden sollen dafür unter anderem ihren Personalausweis vorlegen. Ab Januar sollen die Anspruchsberechtigten eine Bescheinigung der Krankenkasse erhalten, um die restlichen zwölf Masken in den Apotheken zu erhalten.

Völlig unklar ist, wie vermieden werden soll, dass sich Patienten in unterschiedlichen Apotheken mehrere Masken abholen. Ein weiteres – vermeidbares – Problem: Da die Medien das Thema bereits aufgegriffen haben, werden die Apotheken mit Fragen zu den kostenlosen Masken überhäuft. Die Welle an Arbeit, die auf das Apothekenpersonal in den kommenden Wochen zukommt, ist daher nicht abzuschätzen. Die ersten Reaktionen auf den Entwurf lassen wenig Gutes erahnen. Ein Übersichtsartikel zu dem Thema ist hier zu finden.

Priorisierung bei Impfungen: ABDA fordert mehr Klarheit

Noch in diesem Monat soll in Deutschland ein Corona-Impfstoff zum Einsatz kommen, spätestens jedoch Anfang 2021. Da nicht die gesamte Bevölkerung gleichzeitig geimpft werden kann, steht seit Wochen die Frage im Raum, welche Gruppen zuerst den Impfstoff verabreicht bekommen. Das BMG hat jetzt einen Verordnungsentwurf vorgelegt. Der ABDA ist dieses Konzept allerdings zu vage formuliert, insbesondere in Bezug auf die Rolle der Landesgesundheitsbehörden. Laut Verordnung dürfen sie je nach Situation vor Ort entscheiden, welche der anspruchsberechtigten Personengruppen vorrangig geimpft werden. Der exakte Ablauf und welche Kriterien zugrunde gelegt sein müssten, wird in der Verordnung aber nicht näher dargelegt. „Wegen der enormen Bedeutung dieser Festlegung für die betroffenen Personen halten wir es für angezeigt, dass (zumindest) die anzuwendenden Maßstäbe vom Verordnungsgeber selbst definiert werden“, schreibt die ABDA.

Laut Verordnung sind grundsätzlich folgende Personengruppen vorrangig zu impfen: „Personen, die in bestimmten Einrichtungen tätig sind oder dort behandelt, betreut oder gepflegt werden; Personen mit signifikant erhöhtem Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf und bei Personen, die solche Personen behandeln, betreuen oder pflegen sowie Personen, die in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge und für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung besitzen.“

Allergische Reaktionen auf Biontech-Impfstoff?

Am Dienstag wurden in Großbritannien die ersten Menschen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft. Nur einen Tag danach gab es Berichte über allergische Reaktionen bei zwei Personen. Das entgegnete Echo war nicht nur in Britannien, sondern auch hierzulande groß. Die Mediziner*innen reagierten umgehend und sprechen eine Entwarnung aus. Recherchen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) zufolge waren zwei Mitarbeiter des staatlichen National Health Service betroffen, bei denen Allergien in der Vorgeschichte bekannt waren. Die betroffenen Patienten hätten sich laut deren offiziellen Mitteilung schnell erholt, ihnen gehe es gut. Allergische Reaktionen seien auch von anderen Impfstoffen bekannt, insbesondere wenn Betroffene andere Allergien haben.

Mittlerweile wurden ebenfalls Daten aus der Zulassungsstudie zum Biontech-/Pfizer-Impfstoff BNT162b2 mit mehr als 43.000 Probanden publiziert. Sie belegen die Wirksamkeit und Sicherheit der Vakzine. Die Nebenwirkungen werden ebenso ausführlich gelistet: Sie bewegen sich im erwartbaren Bereich.

Keine AvP-Hilfen seitens der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat erklärt, dass „keine spezifischen gesetzgeberischen oder anderweitigen Maßnahmen zur Sicherung der Solvenz der im Fall der AvP betroffenen Apotheken geplant“ seien. Die Gesundheitsexpertin und Linken-Abgeordnete Sylvia Gabelmann, die derzeit einzige Apothekerin im Bundestag, wertet die knappe Antwort auf ihre Anfrage als Desinteresse der Politik.

Das Insolvenzverfahren gegen AvP läuft seit Anfang November. Laut Anklage sollen vor allem Managementfehler für die Firmenpleite verantwortlich sein. Etwa 3.000 Offizinapotheken warten bis heute auf Abschlagszahlungen von Zehntausenden bis teilweise sogar Millionen Euro. Den Betroffenen stehen bundesweite Kreditprogramme der KfW zur Verfügung – oftmals in viel zu geringer Höhe.

 

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