Wochenrückblick: Noch keine Schnelltests, Impfpriorität, Masken im Test, neues Grippemittel

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Die von Jens Spahn angekündigten Schnelltests lassen noch auf sich warten. In BW wird die Impfpriorität für testendes Apothekenpersonal erhöht. Stiftung Warentest stuft nur eine Maske als „rundum empfehlenswert“ ein.

Keine Schnelltests für Apotheken und Arztpraxen ab Montag?

Die kostenlosen Schnelltests, die in Apotheken und Arztpraxen durchgeführt werden sollten und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits für den 01. März versprochen hatte, werden wohl noch etwas auf sich warten lassen. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte im Anschluss an das „Corona-Kabinett“ am 22. Februar, dass über dieses Thema bei der Bund-Länder-Konferenz am 03. März beraten werden muss. Zu viele offene Fragen hätten sich ergeben, über die zunächst ein Konsens gefunden werden müsse. Die Apotheken haben somit etwas mehr Zeit, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob und wie sie sich an den Testungen beteiligen möchten.

Pneumovax-Impfstoff – Lieferung aus China

Kaum eine Apotheke hatte in den vergangenen Wochen keine Schwierigkeiten, den begehrten Pneumovax-Impfstoff für ihre Patienten zu bekommen. Nun kommt Nachschub aus China. Folgende Informationen gibt das Paul-Ehrlich-Institut unter anderem dazu bekannt: „Voraussichtlich ab 01.03.2021 sind zusätzliche Dosen Pneumovax 23 in chinesischer Aufmachung für den deutschen Markt verfügbar. Die Ware wurde ursprünglich für den chinesischen Markt produziert, aber nicht nach China verbracht. Hinsichtlich des Herstellungsverfahrens und der Arzneimittelspezifikationen bestehen keine Unterschiede zwischen der für den chinesischen und europäischen Markt vorgesehenen Ware. Es handelt sich um Ware gleicher Qualität. Die Impfstoffdosen werden über den Pharmagroßhandel flächendeckend in ganz Deutschland verteilt.“ Die chinesisch beschriftete Ware trägt den Handelsnamen Pneumovax und ist mit dem in Deutschland zugelassenen Pneumovax 23 identisch. Die Chargennummer lautet T033893 (sie ist bis zum 16. Juni 2022 verwendbar), die PZN 17196898.

Erste Corona-Laientests zugelassen

Am 24. Februar wurden die ersten drei Sonderzulassungen für die sogenannten „Laientests“ auf eine akute Corona-Infektion durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erteilt. Bei allen drei Produkten soll die Probenentnahme durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich möglich sein, der nach den von den Herstellern vorgelegten Studien selbst durch Laien sicher durchgeführt werden könne. Bundesgesundheitsminister Spahn versicherte der Öffentlichkeit bereits, die Tests werde es in den nächsten Tagen in Geschäften zu kaufen geben. Sie seien „also niedrigschwellig erreichbar“. Er gehe zudem davon aus, dass es in der nächsten Woche weitere Zulassungen geben werde. Viele Apotheker*innen haben sich bereits dahingehend geäußert, dass sie ihre Kunden zu den Discounter-Tests nicht beraten werden.

Impfpriorität für testendes Apothekenpersonal

Das Land Baden-Württemberg (BW) hat die Impfpriorität für testendes Apothekenpersonal erhöht. Aufgrund der Anzahl von Corona-Tests, die unter anderem an Lehrer*innen und Erzieher*innen durchgeführt werden, wird die Notwendigkeit gesehen, die Sicherheit der Testenden durch eine Impfung zu erhöhen. Lehrer*innen, Erzieher*innen und Schulpersonal dürfen sich seit dieser Woche zweimal wöchentlich auf eine Corona-Infektion testen lassen. Die testende Apotheke erhält dafür 30 Euro, die sie über den Nacht- und Notdienstfonds abrechnen kann. Für die Impfung soll der Corona-Impfstoff der Firma AstraZeneca eingesetzt werden.

Abgabefrist für Berechtigungsschein 1 endet

Bis zum Ende dieser Woche kann der Berechtigungsschein 1 für den Empfang von sechs FFP2- Schutzmasken in der Apotheke entgegengenommen und abgerechnet werden. Da viele Bürger*innen sehr lange auf die Zusendung der Scheine warten mussten und die Einlösedauer somit sehr knapp bemessen war, fordert unter anderem der Verein Freie Apothekerschaft e. V. eine Verlängerung bis zum 30. April 2021.

Stiftung Warentest: Nur eine Maske „rundum empfehlenswert“

Die Stiftung Warentest hat aktuell zehn FFP2-Masken getestet. Das Ergebnis: Die Filterwirkung sei bei allen hoch. Allerdings schützten nicht alle Modelle gleich gut. Sie lägen teilweise nicht dicht genug am Gesicht an und ließen damit Aerosole durch. Bei drei Masken bemängelten die Tester den geringen Atemkomfort, durch sie bekomme man vergleichsweise schlecht Luft. Rundum empfehlenswert ist die Maske von „3M“. Sie erfülle als einzige ohne Einschränkung die wichtigsten Testkriterien: Die Maske sitze gut, sei dicht und ermögliche komfortables Atmen. Sechs Masken seien nur eingeschränkt empfehlenswert.

Neues Grippemittel auf dem Markt

Am 15. Februar 2021 ist das Medikament Xofluza, das von der Firma Roche hergestellt wird, auf den deutschen Markt gekommen. Es dient der akuten Behandlung der Influenza und zur Postexpositionsprophylaxe bei Kindern ab zwölf Jahren und Erwachsenen. Es ist sowohl gegen Influenza A- als auch gegen Influenza-B-Viren wirksam. Der Wirkstoff Baloxavirmarboxil soll die Dauer von grippebedingten Symptomen bei Gesunden und bei Personen mit hohem Risiko für grippebedingte Komplikationen verkürzen. Das erreicht er über einen neuartigen antiviralen Wirkmechanismus, der früh in den Replikationszyklus von Grippeviren eingreift.

Lieferketten: Europa will unabhängiger werden

Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie elementar funktionierende pharmazeutische Lieferketten sind. Ihre Anfälligkeit sorgte schnell für Probleme bei der Arzneimittelversorgung in Europa. Vor dem Hintergrund der europäischen Pharma-Strategie „Pharmaceutical Strategy for Europe“ vom November 2020 sprachen daher am Freitag Vertreter der EU-Kommission online mit Akteuren des Gesundheitswesens, um die Prozesse der pharmazeutische Lieferketten und ihre Schwächen genauer zu verstehen. Auch ABDA-Vize Mathias Arnold nahm in seiner Funktion als Vize-Präsident der Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU) am Treffen teil und schilderte die Lage aus Sicht der europäischen Apotheker*innen. Sein Fazit: Um die „inakzeptable“ Situation zu entschärfen, müssten die Apotheker*innen mehr rechtliche Befugnisse erhalten. Die Bestrebungen der EU, die Lieferketten zu diversifizieren und sich auf diese mit Blick auf versorgungsrelevante Arzneimittel unabhängiger von Drittländern und einigen wenigen Herstellern zu machen, finde er richtig.

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